Was lokale Coaches in Zeiten gesellschaftlicher Übergänge leisten können
Viele gesellschaftliche Debatten beginnen derzeit mit einem Gefühl: Unsicherheit. Dieses Gefühl ist auch in Regionen spürbar, die lange als stabil galten. In einer Reportage über die politische Stimmung in Esslingen am Neckar beschreibt Eva Ricarda Lautsch in der Wochenzeitung Die Zeit "Schaffe, Schaffe? Isch over" eine Atmosphäre wachsender Zukunftsangst. Eine Region, die wirtschaftlich erfolgreich war und über Jahrzehnte von industrieller Stärke und sozialer Sicherheit geprägt wurde, erlebt plötzlich Zweifel: Wie stabil ist das Modell, auf dem dieser Wohlstand beruht?
Eva Ricarda Lautsch zitiert im Artikel eine Freundin, die als Bereichsleiterin bei einem Automobilzulieferer der Region arbeitet: „Durch ihre Arbeit kann sie recht genau abschätzen, was auf ihr Unternehmen und die Region in den kommenden Jahren zukommt: weiterer Arbeitsplatzabbau, vieles davon noch nicht öffentlich bekannt… Inzwischen sei aber auch ihre eigene Stelle bedroht. Nicht kurz-, aber mittelfristig. In meinem Unternehmen habe ich vielleicht noch sieben Jahre einen Job".
Wenn solche Fragen aufkommen, geht es selten nur um Wohnraum, Arbeitsplätze oder Infrastruktur. Dahinter steht eine tiefere Erfahrung: Das vertraute System wirkt nicht mehr so verlässlich wie früher.
Genau hier beginnt eine Phase, die die amerikanische Sozialunternehmerin Deborah Frieze sehr treffend beschrieben hat.
Wenn Systeme altern: Frieze argumentiert, dass gesellschaftliche Systeme – ähnlich wie lebende Organismen – einen Lebenszyklus haben. Sie entstehen, wachsen, stabilisieren sich und erreichen irgendwann einen Punkt, an dem sie immer weniger anpassungsfähig werden.Die typische Reaktion darauf lautet: Reform.
Doch Frieze formuliert eine unbequeme These: Große Systeme lassen sich oft nicht mehr grundlegend verändern, wenn sie diesen Punkt erreicht haben. Der Versuch, sie radikal zu reformieren, führt dann häufig zu Frustration. Man investiert Energie – und doch bleibt das Gefühl bestehen, dass sich die grundlegenden Probleme nicht lösen lassen.
Stattdessen schlägt sie eine andere Perspektive vor: Hospizarbeit für Systeme und Institutionen.
Der Begriff klingt zunächst irritierend. Doch er ist bewusst gewählt.
Hospizarbeit bedeutet nicht Resignation. Sie bedeutet Würde im Übergang. Sie bedeutet, das Ende eines Lebenszyklus anzuerkennen und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen.
Übertragen auf gesellschaftliche Systeme heißt das:
- Alte Strukturen werden nicht gewaltsam zerstört.
- Man versucht auch nicht mehr, sie um jeden Preis zu retten.
- Stattdessen begleitet man sie verantwortungsvoll durch ihren Übergang.
Währenddessen entstehen bereits neue Strukturen – meist klein, lokal und experimentell.
Dieser doppelte Prozess ist entscheidend: Abschied und Neubeginn finden gleichzeitig statt.
Doch genau diese Übergangsphase erzeugt Zukunftsangst.
Warum Übergänge Angst erzeugen
Menschen suchen Stabilität.
Wenn Institutionen – Wirtschaftssysteme, politische Strukturen, Wohnungsmodelle – an Verlässlichkeit verlieren, entsteht ein Gefühl von Kontrollverlust. Die alte Ordnung funktioniert nicht mehr wie gewohnt, die neue ist noch nicht sichtbar. Diese Zwischenphase ist der Moment, in dem gesellschaftliche Debatten emotional werden.
Doch aus der Perspektive der Systemtheorie ist diese Phase kein Zeichen des Scheiterns.
Sie ist ein typischer Moment des Übergangs.
Die Rolle des Coaches
Hier kommt eine Rolle ins Spiel, die in politischen Debatten oft unterschätzt wird: die des Coaches.
Ein Coach versucht nicht, ein System mit Macht zu verändern. Er oder sie versucht auch nicht, Menschen zu überzeugen, dass alles gut bleibt. Die Aufgabe ist eine andere: Orientierung im Übergang zu geben.
In gesellschaftlichen Transformationsprozessen bedeutet das konkret:
1. Zuhören: Zukunftsangst entsteht oft aus dem Gefühl, nicht gehört zu werden. Ein Coach schafft Räume, in denen Erfahrungen und Sorgen artikuliert werden können.
2. Perspektiven öffnen: Wenn ein System ins Wanken gerät, sehen viele Menschen nur den Verlust. Ein Coach hilft, auch Möglichkeiten zu erkennen.
3. Vernetzen: Viele neue Lösungen entstehen bereits – lokale Initiativen, neue Formen des Wohnens, gemeinschaftliche Projekte. Ein Coach hilft, diese sichtbar zu machen und miteinander zu verbinden.
4. Übergänge begleiten: Der vielleicht wichtigste Punkt: Transformation ist kein einmaliges Ereignis. Sie ist ein Prozess, der Zeit braucht. Hoffnung jenseits der großen Reform
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dieser Perspektive lautet: Zukunft entsteht selten durch einen großen politischen Plan. Sie entsteht durch viele kleine Experimente.
Wenn alte Systeme an ihre Grenzen stoßen, entsteht eine Phase der Unsicherheit. Doch gleichzeitig öffnet sich ein Raum für Kreativität, lokale Lösungen und neue Formen des Zusammenlebens.
Die Zukunftsangst unserer Zeit ist daher nicht nur ein Zeichen von Krise. Sie ist auch ein Hinweis darauf, dass wir uns mitten in einem Übergang befinden. Und genau in solchen Momenten braucht eine Gesellschaft Menschen, die bereit sind, eine besondere Rolle zu übernehmen:
- nicht als Retter eines alten Systems,
- sondern als Coaches einer neuen Zukunft.
Gerade in Zeiten großer Übergänge ist Orientierung kein Luxus, sondern eine Ressource.
Deshalb kann ein einfacher erster Schritt sein: Suchen Sie das Gespräch mit einem Coach oder einer moderierenden Person Ihres Vertrauens. Nicht, weil jemand alle Antworten hätte. Sondern weil gute Fragen helfen können, den eigenen Platz in einer sich verändernden Welt zu finden. Und vielleicht ist My New Good Life - Transformation in dieser Situation für Sie gerade die wertvolle Antwort.
